»Häusle baue« mit Gottes Segen

Angedachtes von Walter Irion
Psalm 127 »Von Salomo, ein Wallfahrtslied«: Wenn der HERR nicht das Haus baut, so arbeiten umsonst, die daran bauen. Wenn der HERR nicht die Stadt behütet, so wacht der Wächter umsonst.

Haben Sie schon einmal Schorndorf und seine schönen Fachwerkbauten mit wachen Augen betrachtet? Dann ist Ihnen sicher aufgefallen, dass an manchen Hauptbalken Psalm 127 in irgendeiner Form geschrieben oder gar eingemeißelt ist. Was hat die Leute früherer Zeiten dazu veranlasst, das zu machen und darauf Wert zu legen?

Ganz einfach und bescheiden: die Erkenntnis, dass es nicht reicht, wenn man Stein auf Stein und Balken an Balken reiht, sondern dass man das »Ja« Gottes, seinen Segen dazu braucht. »An Gottes Segen ist alles gelegen« sagten sie damals. Und sie wussten: Da geht es nicht nur um Unfallfreiheit beim Bauen und dass die Statik stimmt und das Häusle nicht zusammenfällt, sondern vor allem um das gute und vertrauensvolle Zusammenleben im gebauten Haus.

Eine Erfahrung, die von den Gründervätern der Zieglerschen von Anfang an und besonders eindrucksvoll beachtet und umgesetzt wurde. Sie gaben ihren Häusern nicht einfach Nummern, sondern Namen nach Psalm 91 wie »Schirm« und »Schatten« und »Zuversicht« und »Burg«. Damit in diesen Häusern der Psalm fortgesetzt werde: »Denn er hat seinen Engeln befohlen, dass sie dich behüten auf allen deinen Wegen, dass sie dich auf den Händen tragen und du deinen Fuß nicht an einen Stein stoßest.«

Und heute? Ist es nicht wichtiger, die Erwartungen der Klienten zu erfüllen und die Vorschriften der Zuschussgeber, Kostenträger und Baubehörden? Klar, auch das muss sein. Denn man kann nicht am Markt vorbeibauen und erwarten, dass trotzdem Finanzierung und Belegung klappen. Und leider wechseln die diesbezüglichen Vorstellungen und Vorschriften heute im ICE-Zeitalter fast so schnell wie dieser.

Aber gerade in der Diakonie dürfen wir Psalm 127 nicht vergessen. Die Dienst- und Lebensgemeinschaft von Betreuern und Betreuten, von Pflegern und Gepflegten, von Gesunden und Kranken, von Jungen und Alten kann nur gelingen, wenn wir sie mit dem Segen Gottes und seinem zustimmenden »Ja« leben.

Martin Luther hat recht: »Dass die Vögel der Sorge und des Kummers über deinem Haupt fliegen, kannst du nicht ändern. Aber dass sie Nester in deinem Haar bauen, das kannst du verhindern.« Also bauen wir weiter an neuen Häusern und an einer neuen Welt, aber nur mit dem Segen Gottes! Damit wir nicht umsonst bauen.