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FINDELDING(E) ein Theaterstück über ein Ding, das eines Tages plötzlich bei uns im Pausenhof stand

17.07.2017 | Von Jens Walther | Hör-Sprachzentrum

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16 Kinder der Grundschulabschlussklasse der Schule am Wolfsbühl Wilhelmsdorf haben zusammen mit ihrer Theaterlehrerin Barbara Stockmayer das Stück FINDELDING(E) als Abschlussprojekt ihrer „Grundschultheaterzeit“ vorgeführt. Es basiert auf dem Bilderbuch „die Fundsache“ vom australischen Buchkünstler Shaun Tan.
Im Rahmen des zweistündigen Unterrichtsfaches Theater wurde die Geschichte in ein ganz eigenes Theaterstück in Form eines poetischen Erzähltheaters mit chorischem Sprechen, Tanz, Musik und Bewegung umgesetzt.

Vorausgegangen waren zahlreiche Schulwochen, in denen die Schüler ihre eigenen Überlegungen und Ideen in die zu erzählende traumhafte Geschichte einbringen konnten. Große Unterstützung bekamen sie von dem Wilhelmsdorfer Metallkünstler Mirko Siakkou-Flodin mit dem die Kinder zusammen das FINDELDING bauten und darüber hinaus durften die Kinder jeweils ihr eigenes persönliches FINDELDING gestalten. Dafür wurden die unterschiedlichsten Dinge aus Metall wie z.B. alte Fahrradfelgen, Einkaufswagen, Ofenrohre, Schläuche oder Trichter zu wunderbaren Kunstobjekten zusammengefügt. An 5 Freitagen machten sich die Kinder auf den Weg in die Werkstatt von Mirko Siakkou-Flodin, um an ihren Kunstwerken zu arbeiten.

Wie sieht jetzt allerdings dieses wunderbare FINDELDING aus? Es wirkt auf den ersten Blick wie eine Mischung aus Sandmännchenhubschrauber, Ufo und roter Knutschkugel, vor dem die Schulkinder zunächst erstaunt und ängstlich stehen. Mit den Ausrufen „Wow galaktisch" oder „hey Alter" kommt sich der Zuschauer ruckzuck als Bestandteil einer normalen Pausenhofsituation in Deutschland vor. Ganz schnell ist der Bann gebrochen, als das FINDELDING einen Ball aus seinem Fahrzeug wirft und mit den Kindern Ball spielt. So scheint die Einladung eines Kindes „alles klar bei dir, komm doch rein!" als logisch. Nun könnte man doch die Geschichte in der Weise weiterspinnen, dass das andersartige FINDELDING in den Kreis der Schulkinder aufgenommen wurde und alles wird gut. Doch weit gefehlt, denn niemand kennt das FINDELDING wirklich, keiner weiß wer es ist, woher es kommt und auf Nachfrage in anderen Klassen, schneiden diese zum Teil nur blöde Grimassen.
Letztendlich kommen sie zu dem Schluss, „dass dieses Ding einsam ist und jemanden gehört". Hektisch wird im Internet nach dem FINDELDING geforscht, eifrig Fotos geschossen und eingehend untersucht.
Jetzt wird den Kindern klar, dass es sich um ein FINDELDING handelt, das ausgesetzt wurde und von Menschen aufgenommen werde möchte. Es kann weiterverschenkt werden, wenn es niemand möchte.
Als vermeintliche Lösung bringen es die Kinder zu einem Fundbüro, einem hässlichen Ort ohne Fenster. Aber wo ist sein zu Hause? Viele Richtungspfeile zeigen den Weg zu dem geheimnisvollen Ort. Er verbirgt sich hinter einer hohen Mauer aus Kartons, die unüberwindlich erscheint. Natürlich ist hier das Stück nicht zu Ende! Die Lösung lautet: „Es gibt noch andere FINDELDING(E) und Kinder und Große können durch Mauern schauen, die an FINDELDING(E) glauben". Am Ende des Stückes wurde die Mauer als Projektionsfläche für einen Videofilm, der von Daniel Bella gedreht und geschnitten wurde, benützt. Alle 16 Schauspielerinnen waren nochmals in ihrem Proberaum „der THEATERschwimmHALLE" zu sehen. Dort waren sämtliche FINDELDING(E) aufgebaut und die Besitzer dieser sonderbaren Dinge probierten die verschiedenen Funktionen ihrer Kunstobjekte aus oder erspürten ohne Worte den Zauber, der von FINDELDING(EN) ausgeht.
Eine besondere Note bekam dieses außergewöhnliche Theaterstück durch die Livemusik von Sonja Utz, die mit ihrem Akkordeon das Gewusel und wortlose Agieren der Schauspieler ausdrucksvoll musikalisch untermalte. Sie suchte dafür zusammen mit den Schauspielern passende Musikstücke von Bernhard Klein aus.

Die 16 Schauspieler zeigten den zahlreichen Zuschauern Schultheater auf höchstem Niveau. Viel Lob von verschiedenen Seiten bekamen sie für ihre herausragende Bühnenpräsenz und der tollen Spielfreude, die sie bei ihrem Abschlussstück an den Tag legten. Für Außenstehende war nicht zu erkennen, dass es sich auf der Bühne um Kinder handelt, die auf Grund von Sprach- oder Hörproblemen an der Schule am Wolfsbühl unterrichtet werden. Egal, ob die Kinder alleine oder im Chor sprachen, waren sie stets klar und deutlich zu verstehen. Nach einer fünfjährigen Grundschulzeit mit regelmäßigem Theaterunterricht und Aufführungen ist den Kindern mit den FINDELDING(EN) auf jeden Fall ein „großer Wurf" gelungen.

Erwähnenswert wäre noch am Schluss, dass die Schauspieler mit ihrem Stück zu den „Gewaltigen Spielen 2017" nach Reutlingen eingeladen wurden. Verständlicherweise ist ein solches umfangreiches Theaterprojekt ohne finanzielle Unterstützung von außen nicht zu schultern. Besonderen Dank gilt folgenden Förderern: Ministerium für Wissenschaft, Forschung und Kunst über den Landesverband Amateurtheater Baden-Württemberg e.V. und der Johannes Ziegler Stiftung „Herzenswünsche".

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