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Kindergartenkooperation feiert Jubiläum

22.07.2016 | Von Petra Bongartz-Demelt / Sarah Benkißer | Behindertenhilfe

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Die Kinder des Johanneskindergartens präsentierten zum Kooperationsjubiläum die Geschichte vom kleinen Fisch „Swimmy“ / Foto: Regine Gitzen

Der evangelische Johanneskindergarten in der Ravensburger Weststadt und die Haslachmühle der Zieglerschen haben das zehnjährige Bestehen ihrer Intensivkooperation mit einem großen Sommerfest gefeiert. Ingrid Brobeil-Wolber überbrachte in Vertretung für OB Daniel Rapp die Glückwünsche der Stadt und bezeichnete die Kooperation im Johanneskindergarten, der dadurch Kindern mit und ohne Behinderung offen steht, als Erfolgsmodell.

Gemeinsam begrüßten die Kindergartenleiterinnen Annette von Stryk vom Johanneskindergarten und Petra Bongartz-Demelt vom Schulkindergarten der Haslachmühle die großen und kleinen Gäste des Jubiläumsfestes. Das Grußwort der Stadt Ravensburg überbrachte Ingrid Brobeil-Wolber, ehrenamtliche Stellvertreterin von OB Daniel Rapp. Sie beglückwünschte die Verantwortlichen zu ihrem "Erfolgsmodell der Intensivkooperation", das in der vielfältigen Kindergartenlandschaft der Stadt Ravensburg seinen festen Platz gefunden habe. Pfarrer Friedemann Manz, Geschäftsführer des Diakonischen Werks Ravensburg und zuständig für die evangelischen Kindergärten im Stadtgebiet Ravensburg, hob in seiner Ansprache hervor, dass die Kinder des Johanneskindergartens durch die Kooperation auf ganz einfache Weise etwas sehr Wichtiges fürs Leben lernten: "Verschiedensein ist normal."

Im Rahmen der Kooperation besuchen immer mindestens fünf Kinder mit einer Hör-Sprachbehinderung und gleichzeitiger geistiger Behinderung oder mit einer umfassenden Entwicklungsverzögerung den Johanneskindergarten. Angeleitet werden sie durch eine heil- und sonderpädagogisch erfahrene Fachkraft aus der Haslachmühle der Zieglerschen. "Für unsere Kinder ist es selbstverständlich, einen ‚zweiten Namen‘ zu haben, der mit den Händen gesprochen wird", erklärte Kindergartenleiterin Annette von Stryk. "Auch die Lieder und Spiele im Morgenkreis werden mit Gebärden unterstützt, sodass alle verstehen und verstanden werden." Mit dem "Tür-an-Tür-Konzept" von Schul- und Regelkindergarten werde Teilhabe als Gruppenlösung praktiziert. So könnten sich die Erzieherinnen immer wieder an den jeweiligen Bedürfnissen und Fähigkeiten der Kinder orientieren, nach dem Grundsatz: so viel Unterstützung wie nötig, so viel gemeinsam wie möglich.

Bereits seit einigen Wochen hatten sich die Kinder zwischen zwei und sechs Jahren auf das Jubiläumsfest vorbereitet, um den Gästen die Geschichte von "Swimmy" zu erzählen: "Swimmy" ist ein kleiner mutiger Fisch, der anders ist als der restliche Schwarm der roten Fische. Aber gerade dadurch gelingt es ihm eines Tages, seine Freunde mit einer genialen Idee ins große weite Meer zu führen, ohne dass sie zur Beute für die gefräßigen Raubfische werden. Denn gemeinsam sind sie stark und alles geht viel besser. Mit der phantasievoll dargebotenen Geschichte transportierten die Kinder zugleich die Idee hinter der seit zehn Jahren bestehenden Kooperation: Kinder mit und ohne Behinderung spielen gemeinsam und bereichern sich gegenseitig. Pfarrer Claudius Kurtz von der Evangelischen Johannesgemeinde, der die Kooperation vor zehn Jahren mit aus der Taufe gehoben hatte, stellte den berührenden Vortrag in den Kontext des Johannesevangeliums: "Weil ein Junge bereit war, fünf Brote und zwei Fische herzugeben, wurden alle satt." So hätten auch die Kinder des Johanneskindergartens den anwesenden Gästen durch ihr freudiges Spiel Nahrung mit auf den Weg geben, die auf andere Weise satt und froh mache.

Ein besonderes Geschenk überreichte Sonja Fahrbach, Fachschuldirektorin der Haslachmühle, den Kindern: ein Dreirad mit extra breiter Sitzbank für den Außenspielbereich, der vor drei Jahren mit Unterstützung der Stadtverwaltung erneuert worden war. "Jetzt können immer gleich drei Kinder gemeinsam unterwegs sein", erklärte Sonja Fahrbach und zog die Parallele zur Kooperation: "Die drei Räder stehen auch für die drei Säulen, die das Gelingen der Intensivkooperation erst möglich gemacht haben: Auf der organisatorischen Seite die Stadt, die Kirchengemeinde und die Haslachmühle, im Alltag die Kinder, ihre Eltern und die Erzieherinnen." Bei Leckereien vom internationalen Büfett, Führungen durch die Kindergartenräume und Aktivitäten an den zahlreichen Spielstationen im Garten konnten Angehörige und Gäste bei angenehm sommerlichen Temperaturen den Nachmittag ausklingen lassen und beim gemeinsamen Abschlusslied gleich ihre neu erworbene Gebärdenkompetenz unter Beweis stellen.

Der Evangelische Johanneskindergarten in der Ravensburger Weststadt ist ein zweigruppiger Kindergarten für Kinder von zwei bis sechs Jahren in Trägerschaft des Diakonischen Werkes Ravensburg. Der Schulkindergarten der Haslachmühle in Trägerschaft der Zieglerschen bietet Kindern mit Behinderung von drei bis sechs Jahren wohnortnahe Angebote in derzeit vier "Außengruppen", die räumlich fest in bestehende Regel- oder Schulkindergärten integriert sind. Das "Tür-an-Tür-Konzept" ermöglicht eine spezielle sonderpädagogische Förderung ebenso wie gemeinsame Aktivitäten mit den Kindern der Regelgruppen. Standorte sind Ravensburg, Altshausen und Friedrichshafen.

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