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Haslachmühle feierte ihr 50-jähriges Jubiläum »kein bisschen leise«!

29.06.2016 | Von Sarah Benkißer | Behindertenhilfe

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Ehrung für die Jubilare beim Festakt zu »50 Jahre Haslachmühle«: Direktor Bernd Eisenhardt (l.), Bereichsleiter Sandro Ferdani und Geschäftsführer Uwe Fischer (hinten Mitte) sowie Heimbeirätin Gisela Eberl (vorne Mitte) gratulierten (v.l.n.r.): Werner Munzinger, Manfred Biber, Renate Plankenhorn, Irene Leitenberger und Erhard Scher / Foto: Katharina Stohr. Nicht im Bild: Jubilar Manfred Nassal und Gebärdenpionier Ernst Blickle.

Mit einem stimmungsvollen Festakt und einem großen Sommerfest mit mehreren hundert Besuchern feierte die Haslachmühle ihr 50-jähriges Bestehen als Einrichtung für Menschen mit Behinderung unter dem Jubiläums-Motto »…und kein bisschen leise!«. Sechs Bewohnerinnen und Bewohner der ersten Stunde und Gebärdenpionier Ernst Blickle wurden dabei besonders geehrt. Für musikalische Unterhaltung sorgten der Musikverein Hasenweiler, die Kapelle »Sternhagel-Schwäbisch« und die Haslachmühle-Band »Relax!«.

Die Hauptakteure des Festakts in der Kirche der Haslachmühle waren die Schüler und Bewohner: Zu Beginn sangen und gebärdeten sie begleitet von der Haslachmühle-Band »Relax!« das von Heidi Ziegler gedichtete Lied »Kommt alle und freut euch«. Die von allen nur »Tante Heidi« genannte Lehrerin war vor 50 Jahren zusammen mit ihrem Kollegen Ernst Blickle und 12 Schülern mit geistiger Behinderung und Hör-Sprachbehinderung von Wilhelmsdorf in die Haslachmühle umgezogen. Werner Munzinger, selbst einer der allerersten Bewohner, sprach und gebärdete das Vaterunser. Die Schülermitverwaltung freute sich über die Geldgeschenke der Gemeinden Horgenzell und Wilhelmsdorf für neue Spielgeräte auf dem Pausenhof, die von den Bürgermeistern Volker Restle und Sandra Flucht übergeben wurden. Besonders bewegend wurde es, als sechs Bewohnerinnen und Bewohner sowie der ehemalige Schulabteilungsleiter Ernst Blickle für ihr 50-jähriges Jubiläum geehrt wurden: Irene Leitenberger, Renate Plankenhorn, Manfred Biber, Werner Munzinger, Erhard Scher und Manfred Nassal waren allesamt im Laufe des Jahres 1966 in die Haslachmühle umgezogen. Als Ernst Blicke nach vorne trat, brandete im Publikum langanhaltender Applaus für den bescheidenen Mann auf, der in wegweisender Pionierarbeit die Gebärdensammlung »Schau doch meine Hände an« entwickelt hatte.

"Die Haslachmühle wird Zukunft haben, auch wenn sie sich verändern wird", diese Botschaft gab Thomas Gössling, Verantwortlicher für die Eingliederungshilfe im Landratsamt Ravensburg, den rund 100 geladenen Gästen beim Festakt mit auf den Weg. In Zeiten, in denen intensiv über den richtigen Weg zu mehr Teilhabe für Menschen mit Behinderung gerungen wird, schwang die Frage nach der Zukunft natürlich immer mit bei dem Blick in die Geschichte der für ihre Pionierarbeit auf dem Gebiet der Unterstützen Kommunikation bekannten Einrichtung. So blickte auch Regierungsschuldirektor Bernhard Straile vom Regierungspräsidium Tübingen sowohl zurück als auch nach vorne. Er dankte zum einen den Gebärdenpionieren um Ernst Blickle für die Entwicklung der Gebärdensammlung »Schau doch meine Hände an«. Zugleich formulierte Straile aber auch klare Aufgaben für die Zukunft des »Sonderpädagogischen Bildungs- und Beratungszentrums mit Internat« - so die offizielle Bezeichnung der Haslachmühle-Schule laut neuem Schulgesetz: "Es ist ihre Aufgabe, gemeinsam mit öffentlichen Schulen Antworten zu entwickeln", so Straile in seinem Grußwort. Dies könne durch die Weiterentwicklung des Außenklassenmodells ebenso wie durch die Entwicklung ganz neuer Kooperationsformen mit Regelschulen geschehen.

Für das öffentliche Sommerfest am Nachmittag hatten die Mitarbeitenden der Haslachmühle dann ein beeindruckendes Programm auf die Beine gestellt: Über das ganze Gelände zogen sich die Angebote vom Trampolinspringen und Ponyreiten über Bastelangebote und Kinderschminken bis zu einem Fotostand mit selbstgebautem „Herzmännchen“ – dem Emblem des Jubiläums-Jahres. Dank des sich bis fast zum Schluss haltenden Wetters konnten die zahlreichen Besucher das Programm und die vielen kulinarischen Angebote im Freien genießen. Für die passende musikalische Unterhaltung sorgten der Musikverein Hasenweiler und die Kapelle „Sternhagel-Schwäbisch“, die beide in Bestform und voller Besetzung gute Stimmung unter den Gästen verbreiteten. Und auch Albert Kessler und Manfred Beierl trugen mit den von ihnen angebotenen Kutschfahrten zum Gelingen der Veranstaltung bei. Ihnen allen gilt der besondere Dank des Organisationsteams!

Das "Herzmännchen" stammt eigentlich aus einem Bild von Haslachmühle-Schüler Paul Lapusan. Für das Sommerfest wurde es extra in Lebensgröße nachgebaut und war ein begehrtes Fotomotiv. / Foto: Sarah Benkißer

Kommt alle und freut euch! - Mit diesem Lied eröffneten die Bewohner zusammen mit Gebärdenübersetzerin Gunda Dzubiel den Festakt zum 50-jährigen Jubiläum. / Foto: Katharina Stohr  Foto: Sarah Benkißer  Foto: Sarah Benkißer
Bilderstrecke: Impressionen vom Festakt und vom Sommerfest (26 Bilder).

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