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Ehemalige Schülerinnen und Schüler berichten über ihre Zeit an unserer Schule

Tamara

an der Schule von 2007 - 2012

hat im Januar 2015 ihre Lehre als Bäckerin erfolgreich abgeschlossen und beginnt jetzt mit einer Lehre als Konditorin

„Ich erinnere mich noch an eine Projektwoche, in der wir einen Delphin aus Holz und Stahl gebaut haben. So weit ich weiß hängt der heute noch ab und zu im Werkstattgebäude.

Unvergesslich für mich auch mein erster Triathlon im Stegerseebad in Aulendorf. Schwimmen ( 330 Meter in gut 2 1/2 Minuten) und Fahrradfahren ( 14 Kilometer in 35 Minuten)  ging noch ganz. Beim anschließenden Lauf ging mir dann allerdings etwas die Puste aus. 
Dafür lief ich beim darauf folgenden Stadtlauf in München schon wieder 10 Kilometer in unter einer Stunde.“

Martin
 
 
1997 – 2007 Hör-Sprach-Zentrum Altshausen
 
2007 – 2012 Ausbildung als Techn. Zeichner
 
2012 – 2013 Fachhochschulreife
 
seit 2013 bis voraussichtlich 2016 : Duales Studium „Maschinenbau – Konstruktion – Entwicklung“ an der DHBW  Ravensburg, Campus Friedrichshafen und beim Partnerunternehmen Stadler, Altshausen
 
Martin über einen seinen Lehrer: „Bei Ihnen hab ich was fürs Leben gelernt“
 
Sein ehemaliger Klassenlehrer über Martin: „Martin war ein Schüler, dem man auf Augenhöhe begegnen konnte, ohne dass er es ausgenützt hat“
 
Sein Chef bei Stadler über ihn: „Martin war ein guter Fang – wir sind echt froh an ihm“
 
Sein größtes Vergnügen (neben dem Fallschirmspringen) : mit seinen ehemaligen Lehren ein Bierchen trinken gehen
 



Ramona

an der Schule von Feb. 1985 bis 1995 (erste Realschulabschlussklasse)
derzeit Hausfrau - gelernte Mediengestalterin Print/NonPrint, gelernte Buchführerin
Ich habe ausgesprochen schöne Erinnerungen an meine Zeit in Altshausen. Es gab einige prägende Momente wie der einzigartige Besuch in Moskau. Wir lebten dort in Gastfamilien und verständigten uns händisch, füssisch, mit ein wenig Russisch und Englisch! Ganz unvergessen: Aus Sorge, dass wir es am frühen Morgen aufgrund der Witterungsverhältnisse im Januar nicht rechtzeitig auf den Flughafen schaffen, verbrachten wir die Nacht dort und geisterten durch die fast leeren Wartehallen. Es war sehr interessant, Einblicke in das Leben der Familien in Moskau, wie auch in die Stadt, zu erhalten.

Noch sehr gut und in lebhafter Erinnerung habe ich unsere Wasserbombenschlacht mit den Jungs der WG 4, deren Fenster direkt an unseren Balkon angrenzte. Da traf man sich nach der Ausgangszeit und unterhielt sich noch ein wenig. Irgendjemand von uns Mädels kam dann eines Abends auf die Idee ein paar Wasserbomben zu den Jungs ins Bad zu werfen. Das war megaspaßig. Wir lachten darüber, als die Jungs dann noch das Wasser im Bad aufwischen durften. Ich glaube die Erzieher der Jungs waren nicht sehr amüsiert darüber.

Heute blicke ich mit einem weinendem und lachendem Auge zurück und kann sagen, dass ich eine überaus wunderschöne Zeit dort verbrachte und auch viel mitnahm für den weiteren Lebensweg.

 

Vanessa


Vanne: Vier Jahre Flüstern und ein gutes Ende

Vanessa Hirrlinger, von den Menschen, die ihr nahestehen, liebevoll Vanne genannt, kennt einen Tag der Wiedergeburt in ihrem Leben: den 13. März 2007. Nicht, wie festzustellen ihr sehr wichtig ist, religiös gemeint, sondern so wie es das Wort hergibt: nochmals geboren.

Angekündigt hatte sich dieses Ereignis schon einige Tage vorher. Durch Träume. Der Auslöser am Tag der Wiedergeburt war ein banaler: ihre Katze hatte sich irgendwie daneben benommen, Vanessa versuchte sie zu verscheuchen, was ihr aber nur mit einem lauten, sicher auch leicht aggressiven Ton aus ihrer Kehle gelang. Die vermeintlich verloren gegangene Stimme hatte wieder ans Licht der Welt gefunden. Ihre Mutter, die sie gleich darauf anrief und von dem Wunder erzählte weinte vor Glück.

Vier Jahre zuvor, im Mai 2003 war ihre Stimme langsam hinübergegangen. Nach einer Stimmbandentzündung, einem von den Ärzten auferlegten zweiwöchigen Sprechverbot und einem darauffolgenden Husten war die Stimme nur noch im Flüstermodus zurückgekehrt. Es folgte eine Odyssee durch die Wartezimmer vieler Ärzte und Therapeuten.
Vanessa Hirrlinger ist heute, im Rückblick, sehr skeptisch, vor allem,was die Ursachensuche im psychischen Bereich betrifft. „Man macht es sich da heute zu leicht. Wenn man in der Diagnose nicht mehr weiterkommt, dann schiebt man die Schuld viel zu schnell und viel zu leicht auf psychische Ursachen“. Und weiter: „Du kommst dir da recht bald richtig abgestempelt und marginalisiert vor.“

Ihre damalige Schule, eine Realschule kommt mit der neuen Situation kaum bis gar nicht mehr zurecht. Vanessa Hirrlinger erinnert sich zwar noch an einen Lehrer, der sich neben sie hingesetzt  und ihr wahrhaft sein Ohr geliehen habe. Ansonsten aber fühlte sie sich ins Abseits gestellt, sie wurde einfach nicht mehr drangenommen.

Der Schulwechsel, drei Tage vor Schulende angekündigt, war für sie zwar ein Schock. Im Nachhinein aber kann sie sagen: “Das war das beste, was mir passieren konnte.“ Sowohl dem ehemaligen Hör-Sprachzentrum ( heute Leopoldschule ) in Altshausen wie der Gotthilf-Vöhringer-Schule in Wilhelmsdorf gegenüber fühlt sie sich zu tiefem Dank verpflichtet. Die Altshausener Schule führte sie zur Mittleren Reife, in der Gotthilf-Vöhringer-Schule legte sie vor nicht allzu langer Zeit ihre Prüfung zur staatlich geprüften Heilerziehungspflegerin ab.

Die vier Jahre, in denen ihre Stimme zwischen Sprachlosigkeit und Flüstern oszillierte werden letztlich ein Geheimnis bleiben. Irgendetwas war ins Ungleichgewicht geraten und blokierte den freien Fluss ihrer Rede.
Das Einleben in der neuen  Altshausener Schule war schwierig, für alle Seiten. Setzte sich im Speisesaal jemand zu ihr, so rutschte sie zum nächsten Tisch. Und das über mehrere Stationen.
Es gab innerfamiliäre Turbulenzen.
Es zeigte sich aber auch die Vanne, zu der ihre Mitschülerinnen in ihren großen und kleinen Nöten kommen konnten. „Bahnhofsmama“ nannte man sie, in Anklang an die Bahnhofsmission.

Es offenbarte sich die Schülerin Vanessa, die ihre Deutschlehrer durch einfühlsame, stilsichere Äußerungen schriftlicher Art immer wieder zu überraschen vermochte. Dass hinter der allzu stillen Flüstersprache ein Schatz im Acker auf das Licht der Welt wartete, war unübersehbar.
Vanessa war die zuverlässigste Tagebuchordnerin der Welt und
die Schule verlieh ihr einen Sozialpreis.

Die heute immer noch passionierte Puzzlerin (1000 Teile an einem Sonntag) scheint in ihren vier Flüsterjahren vor der Aufgabe gestanden zu haben, die Puzzle-Teile ihres Lebens in Geduld und Ausdauer wieder an ihren Platz zu bringen. Vor allem das  größte dieser Lebens-Puzzle-Teile: Ihre Liebe zu Menschen mit Behinderung. Schon als Neuntklässlerin in der Realschule arbeitete sie ehrenamtlich auf einer Außenwohngruppe der Haslachmühle mit. Ihr Berufs-, besser ihr Berufungsweg zur HEP, zur Heilerziehungspflegerin zeichnete sich immer klarer ab.

In der Weingartner Wohnung der 24-Jährigen grüßt ein T-Shirt an der Wand mit folgendem Motto: „Endlich 18 - jetzt muss ich nur noch erwachsen werden“. „Ja, ich bin erwachsen geworden“, so Vanessa Hirrlinger. Und fügt verschmitzt hinzu: „an manchen Tagen“. Sie arbeite gern und viel. Sie liebe ihre Arbeit mit den Behinderten und sie liebe die behinderten Menschen, ihre spontane, ungekünstelte und gänzlich unverstellte Art. „Ich komme aber auch gerne wieder heim und fühle mich erwartet von meinen beiden Mitbewohnern Hannibal und Einstein.“ Hannibal ihr Hase, Einstein ihre Katze.

Ihre weiteren Ziele: Sie hofft, dass ihr Arbeitsplatz bei der Haslachmühle erhalten bleibt. Sie kann sich, irgendwann einmal, eine eigene Familie gut vorstellen. Sie denkt daran Gebärdendolmetscherin zu werden. Denn zu gebärden, das ist für Vanessa Hirrlinger die Kommunikationsform schlechthin: „Die hätte ich mir in meiner flüsternden Schulzeit gewünscht.“

Rainer Kössl

 

 

Martin

Deutsche Sprache, Rechtschreibung, Satzbau, Grammatik, Texte schreiben
ging bei mir gar nicht. Der einzige Weg aus diesem Dilemma herauszukommen
war für mich das Hör-Sprachzentrum ( heute Leopoldschule) in Altshausen. Da
ich aber aus dem fernen Marktoberdorf komme ging dieser Schulweg nur über
sieben Jahre Internat.
Dennoch: Ich erinnere mich gerne an diese Zeit. Die Fahrt nach England, zelten
am Bodensee, diverse Skifreizeiten. Was meine Berufsfindung nicht unwesentlich
beeinflusst hat, war ein Physikunterricht ganz eigener Art. Da mein Deutschlehrer
auch mein Physiklehrer war, wurde der Deutsch - Förderunterricht meistens mit
einem Physik - Exkurs beendet. Was meine Aufmerksamkeit und die Effektivität
massiv erhöhte. Dies beeinflusste mich nachhaltig.
Nach der Altshausener Schule besuchte ich zuerst für drei Jahre die Fachober-
schule in München. Von 2009 bis 2013 gings an die Hochschule für Angewandte
Wissenschaft in Augsburg.  Fachrichtung: Mechatronik. Abschluss: Bachelor. Letztes
Jahr legte ich an der Fachhochschule Aachen meinen Master of Engineering ab,
Fachrichtung Automatisierung und Antriebstechnik.