Tradition und Erfahrung

Vor gut 175 Jahren kamen 10 Siedler ins Moor des Pfrunger Rieds. Der damalige König Wilhelm hatte den zehn Pietisten ein unwirtliches Stück Land zugesprochen, um die Auswanderungswelle der schwäbischen Pietisten nach Russland zu stoppen. Wilhelm wünschte die Gründung einer Gemeinde nach dem Vorbild der Pietisten-Gemeinde Korntal – und die Siedler erfüllten seinen Wunsch. Also wurde es 1824, mitten im Moor, gegründet: Wilhelmsdorf.

Trotz misstrauischer Nachbarn, die die Neuen für „Sträflinge“ hielten, richteten sich die Siedler ein. Der Sumpf wurde entwässert und in Wilhelmsdorfs Mitte entstand der Betsaal. Zugleich begann die Arbeit mit Hilfebedürftigen, 1830 entstand die „Rettungsanstalt armer und verwahrloster Kinder“. Sieben Jahre später berief Gottlieb Wilhelm Hoffmann, der Gründer Korntals und Wilhelmsdorfs, den Taubstummenlehrer August Friedrich Osswald nach Wilhelmsdorf. Osswald gründete 1837 die „Taubstummenanstalt“ in Wilhelmsdorf – und legte damit den Grundstein für die diakonische Arbeit der Zieglerschen.

Mit Beginn des Jahres 2004 haben sich die Zieglerschen mit einem weiteren württembergischen Traditionsunternehmen zusammengetan: Die Evangelische Altenheime in Baden-Württemberg gGmbH, hervorgegangen aus dem „Verein für Evangelische Altenheime in Württemberg e.V.“. Dieser Verein wurde 1846 als „Verein für die Evangelischen Frauenstifte in Württemberg“ gegründet und ist heute, als die Evangelische Altenheime in Baden-Württemberg gGmbH, der älteste Träger von Altenhilfeeinrichtungen im Land. Namhafte Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens im damaligen Königreich Württemberg wie der Dichter Gustav Schwab, der Diplomat Christoph von Kölle oder der evangelische Prälat Sixt Karl von Kapff waren Gründungsmitglieder. Als Schirmherrinnen und Protektoren der Frauenstifte fungierten bis 1918 die württembergischen Königinnen.